Absinth, das mystische Kultgetränk

Ursprung des Absinth

Weit reicht sie zurück, die Geschichte der Absinthpflanze, Artemisia Absinthium, womit zunächst das auch bei uns anzutreffende Wermutkraut gemeint ist. In der neuzeitlichen Geschichte wird Absinth zunächst als belebendes Allheilmittel am Ende des XVIII. Jahrhunderts im Schweizer Jura, genauer im Val-de-Travers erfunden. Die Rezeptur stammt von den Schwestern Henriod und nicht, wie oft behauptet, von Dr. Ordinaire. Dieser war 1768 aus Frankreich nach Couvet geflüchtet und war lediglich an der Verbreitung von Absinth beteiligt.Das Rezept verkauften die Schwestern an einen gewissen Major Dubied, einem Spitzen- und Käsehändler, der dann 1797 mit seinem Sohn Marcelin und seinem Schwiegersohn H.-L. Pernod eine A.-Brennerei gründeten und die Rezeptur kommerziell umsetzten. Ein kleiner Raum, der als Waschküche diente, wurde die erste Absinthbrennerei der Geschichte. Bescheidene 16 Lit. werden dort pro Tag produziert.

 

 

Bei der Rezeptur handelte es sich um eine aus Wermut (Artemisia Absinthium) hergestellten hochprozentigen Spirituose (55-70%), unter Zugabe weiterer Kräuter, wie u.a. Anis, Ysop, Melisse, Fenchel und .Minze Gemeinsamkeit dieser Kräuter ist der Umstand, dass es sich bei Ihnen ausschließlich um Heilkräuter handelt. Dieses Gebräu, welches zunächst auf Jahrmärkten an Einzelne verkauft wurde, erwarb sich sehr schnell einen guten Ruf. Man fand es bald auf allen guten Tafeln. Und es wurde zum Aperitif.

Geschichte des Absinth

Ägypter – Griechen – Römer Ägypter – Wermut wurde schon 1600 Jahre v. Ch. Bei den Ägyptern erwähnt. So gab es bereits ein Wermutbier, welches mit Früchten u. Honig angesetzt war. Wermut war dort auch eine kultische Pflanze, da ihn die Isispriesterinnen bei Ritualen in den Händen hielten. Griechen – Bereits in der griechischen Antike kannte man die Wirkung von Absinth in allen möglichen Formen vom Heilmittel bis zum Aphrodisiakum. Absinth wurde von Hippokrates (um 460-375 v. Ch.), der viel mit Wermut experimentierte und Pythagoras als Arznei gegen vielerlei Leiden verordnet. Galen (um 131-201 n. Ch.) empfahl Absinth bei Magenverstimmung. In der griechischen Mythologie war Absinth der Göttin der Jagd und der Fruchtbarkeit, Artemis geweiht. Medizin aus Wermut begleitete die Frauen von der Pubertät bis zur Menopause, half bei der Geburt ebenso, wie bei ungewünschter Schwangerschaft.

Nachdem Absinth vor dem Christentum bereits bekannt war, setzte sich die Verbreitung nach Christus fort. Absinth fand Eingang in die Bibel, allerdings in einer etwas negativen Form, da er hier im Zusammenhang mit Bitterkeit, Gift und Verrat auftritt. In der Biblischen Apokalypse (ca. 95 n. Chr.), auch als das 5. Element bezeichnet, findet sich in der Offenbarung des Johannes 8-11 folgender Absatz: „Und der Name dieses Sterns heißt Absinth (Wermut). Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Absinth (Wermut), und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren.“

 

1769 taucht der Name Absinth in Form einer Zeitungsannonce in Couvet im Schweizer Kanton Neuchatel auf. Es handelt sich hierbei um ein Elixier namens „Bon Extrait dÁbsinthe“, ein belebendes Allheilmittel, welches die Schwestern Henriod aus Alkohol, Wermut, Zitronenmelisse und einigen anderen Zutaten gebraut hatten. Doch ob die v. g. Schwestern Henriod als Erfinderinnen anzusehen sind, ist umstritten.

 

Andere Literaturquellen verweisen diesbezüglich auch auf Henriette Henriod oder ein Kloster im Val-de-Travers und den Schweizer Arzt Dr. Ordinaire. Unstrittig ist indessen das die Schwestern ihr Rezept 1797 an Henrie Dubied verkauften, der im selben Jahr zusammen mit seinem Sohn Marcellin und seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod eine Absinthdestillerie in der Schweiz eröffneten. Dort wurden anfangs bescheidene 16 Lit. pro Tag produziert.

 

Nachdem die Nachfrage weiter zu steigen begann, eröffnete Henri-Louis Pernod 1805 in Pontarlier, auf der Franche-Comté, die erste Fabrik, in der Absinth industriell hergestellt wurde. Absinth begann zum Bestseller zu werden. Neben der Brennerei von Pernod, zählte CUSENIER als Hersteller der Marke OXYGÉNÉE, zu den erfolgreichsten. Der Wermut-Anbau wurde zu einer der wichtigsten Erwerbsquellen im Val-de-Travers. Obgleich in der Schweiz erfunden, war Absinth eigentlich ein französisches Getränk.

 

Bereits 1840 wurde es offiziell den franz. Soldaten im Algerienkrieg als " Medizin" gegen Fieber und Durchfall zugeteilt. An den Geschmack gewöhnten sich die Soldaten schnell und brachten diese Trinkvorliebe nach dem Krieg mit nach Frankreich zurück. Absinth hatte den Status als Kult-Getränk erreicht. Beispielsweise wurden 1912 allein in Frankreich über 220 Millionen Liter Absinth getrunken. Dabei hatte sich Absinth inzwischen in nahezu der ganzen Welt verbreitet.

 

L´heure Verte (Die Grüne Stunde)

Ende des 19. Jahrhunderts erreichte Absinth in Frankreich eine so große Popularität, dass Pernod die Produktion noch einmal auf 100.000 Lit. pro Tag steigern musste. Die Preise für Absinth wurden immer erschwinglicher. Dies trug dazu bei, dass bis zum 1. Weltkrieg der Absinthkonsum nochmals um das Fünfzigfache anstieg und alle Bevölkerungsschichten erreicht hatte. Am Nachmittag trank jeder Absinth und die Zeit zwischen 17 und 19 Uhr wurde nun in Frankreich “L´heure Verte“ genannt.

 

Absinth Verbot

Bereits um 1850 kam Absinth in Verruf. Bei chronischer Aufnahme wurde ein Syndrom beschrieben, praktischerweise Absinthismus genannt. Als Leitsymptome galten Sucht, Übererregbarkeit und Halluzinationen. Die nachfolgende soziale Ächtung der Absinthtrinker ist bis heute im Sprachgebrauch anzutreffen, wenn jemand als „Wermutbruder“ bezeichnet wird. Schlechte Weinernten und stetig rückläufige Umsatzzahlen sorgten dafür, dass die Weinindustrie in Absinth eine unliebsame Konkurrenz sah, die man beseitigen wollte. In Frankreich wurden 1912 220 Millionen Lit. Absinth konsumiert und in der Schweiz sollten um die Jahrhundertwende angeblich 40% der erwachsenen Bevölkerung absinthabhängig gewesen sein. Ärzte und Wissenschaftler versuchten nachzuweisen, dass Absinth für alle erdenklichen Übel der Zeit verantwortlich war. Von Epilepsie und Impotenz über Tuberkolose und Syphilis bis hin zu Kriminalität, Suizid und Wahnsinn. Eine französische Zeitung schrieb: „Wenn Absinth nicht verboten wird, wird unser Land bald eine riesige Gummizelle sein, in der die Hälfte der Franzosen damit beschäftigt ist, die andere Hälfte in Zwangsjacken zu stecken.“ Kleriker und konservative Kreise sahen im Absinth die Ursache für Sittenverfall und Umstürzlertum. Im Verbund mit „Blaukreuzlern“ wurde Absinth zwischen 1908 und 1923 (Deutschland) verboten.

 

Letztlich wurde ein grausamer Mord in Lausanne, den ein notorischer Trinker an seiner Familie verübte zum Aufhänger genommen. Obwohl jedem bekannt war das der "Absinthmörder"(Jean Lanfray) täglich bis zu 5 Lit. Wein konsumierte und in der Tatnacht zum krönenden Abschluss lediglich 2 Gläser Absinth getrunken hatte, wurde damit eine Volksbewegung gegen Absinth losgetreten. Dem Absinthverbot folgte u.a.1923 Deutschland. Ungeachtet dessen lebte die Fee weiter. Im Val-de- Travers wurden bis 2005 (Jahr der Legalisierung) jährlich ca. 15000 Lit. Absinth hergestellt. Übrigens war Absinth in Spanien und Portugal nie verboten. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken gewesen, dass Absinth überhaupt wieder legal wurde, denn als diese Länder zu Beginn der 90-er Jahre der EU beitraten, wurde das "Absinth-Verbot" entsprechend geprüft und aufgehoben.

 

Absinth Wirkung

Die Wirkung des Absinths geht über die anderer Spirituosen hinaus. Sie ist nach einigen Gläschen gleichermaßen anregend, berauschend, euphorisierend und stimulierend. Diese Wirkung resultiert aus dem Zusammenspiel / Wechselwirkung von hohem Alkoholgehalt (zwischen 55 und 70%vol.) und verwendeten (Heil)-Kräutern, u.a. echtes Wermutkraut, Fenchel, Ysop. Zunächst konnte eine solche Wirkung nur von einem nach klassischer Rezeptur, aus einem traditionellem Erzeugerland stammenden Absinth ausgehen. Dazu zählen im wesentlichen die Schweiz, Frankreich, Spanien und Tschechien. Zwischenzeitlich werden auch in Deutschland, insbesondere von kleineren Familienunternehmen, Absinthe hergestellt, die ausgesprochen wirkungsvoll sind. Dabei handelt es sich aber nicht um die Produkte, die man im nächsten SB- Warenhaus angeboten bekommt. Der im Wermutkraut enthaltene Wirkstoff Thujon ist bedingt für die spezielle Wirkung verantwortlich. Thujon sensibilisiert bestimmte Rezeptoren des menschlichen Gehirns. Dieses scheint begründet, entsprechend der Ähnlichkeit, welche die Molekularstruktur zwischen Thujon ( a ) und THC ( b ), dem Wirkstoff der Cannabispflanze ( Haschisch ) aufweist. Die Qualität bzw. den Wirkungsgrad eines Absinths von einer besonders großen Menge dieses Wirkstoffes in Abhängigkeit zu stellen, ist falsch. Wichtig ist, dass Thujon enthalten ist und zwar in einer deutlich nachweisbaren Menge. Werbesprüche mit genauen mg Angaben sind äußerst unseriös, da der Thujongehalt des Extraktes von der Qualität der verwendeten Kräuter, der Dauer der Extraktion und weiteren, nicht beeinflussbaren Faktoren abhängt Oskar Wilde schilderte die Wirkung einmal so: " Im erste Stadium sieht man seine Umgebung wie sie nicht ist, im zweiten fängt man an, ungeheuerliche grausame Dinge zu sehen, aber wenn man es schafft, nicht aufzugeben kommt man in das dritte Stadium, in dem man Dinge sieht, die man sehen möchte, wundervolle sonderbare Dinge." Diese Eigenschaften machten Absinth in seiner Blütezeit nicht nur attraktiv, sie verleiteten auch zu übermäßigen Konsum. Für die meisten Menschen war Absinth nie mehr als ein besonders belebendes Getränk. Wogegen starker Missbrauch häufig zur Abhängigkeit führte. Das Ende ist bekannt. Das Absinth-Gesetz wurde 1981 aufgehoben. Weiterhin verboten in Deutschland war aber die Verwendung von Wermutöl. Im Rahmen der EU ist seit 1991 (nicht 1998!) ein reglementierter Thujongehalt wieder zulässig > Richtlinie 88/3888/EWG v. 22.06.1988. Mit Beschluss vom 27.09.1991 (Bundesratssache 428/91) wurde die Zulässigkeit von Thujon auf 5mg/Kg in alk. Getränken von bis zu 25vol.%, von 10mg/Kg bei mehr als 25vol.% und auf 35mg/Kg in Bitterspirituosen festgelegt (Bundesgesetzblatt 1991, Teil I, Seite 2045-50) < Seine einzigartige Wirkung ist Absinth dabei nicht verloren gegangen! Unseriöse Anbieter interpretieren diese Bestimmung teilweise bewusst irreführend. Die Bezeichnung "Bitterspirituose" heißt nicht, dass automatisch 35 mg/Kg Thujon enthalten sind. Ebenso wenig bedeutet "dreifacher Wermutanteil", dass 30 mg/Kg Thujon enthalten sein müssen. Darauf sollten Sie achten. Es ist weiter davor zu warnen, Nahrungsmittel künstlich mit Thujon anzureichern. Eine psychoaktive Wirkung bleibt definitiv aus und statt der Grünen Fee lernen Sie bestenfalls eine Krankenschwester kennen. Grundsätzlich ist die spezielle Wirkung von Absinth nicht eindeutig zu begründen. Absinth ist als solches keine Droge! Alkohol ist Volksdroge Nr. 1 - diesbezüglich warnen wir nachdrücklich vor Alkoholmissbrauch!